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Eine E-Mail, die meinen Sommer versüsst hat

von Ava-Sophie | Juli 28, 2026 | Reflexionen | 0 Kommentare

Ich habe gestern eine E-Mail erhalten, über die ich mich unglaublich gefreut habe, und möchte sie nun mit Erlaubnis des Herrn in meinem Blog posten. Ich fand diese E-Mail so schön, dass ich sie mehrmals gelesen habe. Wahrscheinlich werde ich sie mir auch in Zukunft noch einige Male zu Gemüte führen.

Man hört immer wieder, alle Menschen seien gleich. Ich widerspreche dem natürlich vehement, da ich zwischen einzelnen Menschen sogar sehr grosse Unterschiede erkenne. Wenn ich mir z.B. diese E-Mail durchlese und sie dann mit diversen Nachrichten wie "Wieviel kostet eine Stunde", "Wo bist Du besuchbar", "Wann hast Du Zeit", "Hallo Baby" usw. vergleiche, könnte man meinen, die jeweiligen Verfasser gehörten nicht einmal derselben Spezies an. Es wäre so, als würde man Einzeller mit Menschen vergleichen. Leider scheint es unter den Menschen viele Einzeller zu geben.

Zeit ist unser höchstes Gut. Das klingt zwar abgedroschen, entspricht allerdings der Wahrheit. Ein Mensch hat im Durchschnitt 80 Lebensjahre zur Verfügung. Manche sterben viel früher, andere leben etwas länger. Dieser Mann hat sich nicht nur die Zeit genommen, vor unserem Treffen meinen Blog zu lesen, sondern er hat sich überdies die Zeit genommen, mir eine sehr schöne E-Mail zu senden.

Ich erwarte nichts von beidem, freue mich aber natürlich enorm darüber. Das hat mir nicht nur den Tag versüsst, sondern wahrscheinlich auch den gesamten restlichen Sommer (was eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, da ich den Sommer hasse 🥵).

Selbstverständlich ist mir dieser Mann schon jetzt sehr sympathisch, und ich freue mich ungemein darauf, ihn kennenzulernen. Zudem scheint er klug zu sein, da er mich in seiner E-Mail sehr treffend beschrieben hat. Nein, Bescheidenheit ist keine Tugend, zumindest nicht die meine 😁.

Wenn ich E-Mails oder Nachrichten erhalte, die nur ein bis zwei Sätze enthalten, kann ich natürlich gar nicht beurteilen, ob ich den jeweiligen Mann überhaupt treffen möchte. Für solche Männer scheint es aber selbstverständlich zu sein, dass es ausreicht, das Honorar zu bezahlen, während Sympathie und gegenseitiger Respekt völlig irrelevant sind. Man erwartet, dass eine Frau, die für erotische Dates bezahlt wird, ohnehin mit jedem ins Bett geht, der bereitwillig das geforderte Honorar auf den Tisch legt. Sex bzw. die Frau an sich wird als eine für jeden verfügbare Ware betrachtet, die natürlich nicht selbst entscheiden darf, wem sie zur Verfügung steht.

Man könnte nun entgegnen, dass man auch in vielen anderen Branchen mit unsympathischen und respektlosen Menschen zu tun hat. Sei es ein Callcenter Mitarbeiter, an dem viele Anrufer gedankenlos ihren Frust auslassen und der trotzdem die Contenance nicht verlieren darf, seien es Angestellte im Gastgewerbe, die auch zu respektlosen Gästen freundlich sind, oder Anwälte, die auch unsympathische Klienten vertreten müssen. In all diesen Berufen muss man mit seinen Kunden aber nicht INTIM werden. Das ist der grosse Unterschied.

Womöglich begreifen viele Menschen heutzutage Sex und Erotik aber gar nicht mehr als etwas Intimes. Immerhin kann man jederzeit Pornos konsumieren (die meiner Meinung nach der menschlichen Sexualität zum grössten Teil nur schaden), im Sekundentakt auf Tinder nach links oder rechts wischen, wobei andere Menschen nur anhand von Oberflächlichkeiten beurteilt werden, und jederzeit irgendeine Frau zum Sex "bestellen".

Diese ständige Verfügbarkeit sexueller Inhalte und Erlebnisse nimmt dem Sex aber auch seine Besonderheit und Intimität. Sex verkommt zu etwas Austauschbarem, zu etwas völlig Banalem.

Auf der körperlichen Ebene gibt es eigentlich nichts Intimeres, als einen Orgasmus mit einem anderen Menschen zu teilen. Erkennen Menschen heutzutage überhaupt noch die darin liegende Intimität, oder sind alle schon viel zu pornogeschädigt?

Zudem ist es ein Akt höchster Vertrautheit, einem anderen Menschen seine geheimen erotischen Fantasien anzuvertrauen und diese mit ihm auszuleben. Man zeigt sich verletzlich und spricht Dinge aus, die einem vielleicht peinlich sind, in der Hoffnung, von dem anderen deshalb nicht verurteilt oder ausgelacht zu werden.

Wer kein männlicher oder weiblicher Primitivling ist, hat den besten Sex mit Menschen, die ihn auch intellektuell ansprechen. Er geht nicht mit Hinz und Kunz ins Bett, weil er sich selbst dafür zu schade ist. Er fühlt sich von der Persönlichkeit eines Menschen stärker angezogen als von einem schönen Körper. Die Einzeller unter uns können das natürlich nicht verstehen. Allerdings werden diese auch nie wirklich erfüllenden Sex haben, weil sie dafür einfach zu dumm sind.

P. S.: Eigentlich hatte ich vor, den Blog auf meiner Schweizer Website anders zu gestalten als den auf meiner ehemaligen Wiener Website. Ich wollte professionell bleiben und mich auf Texte über erotische Themen beschränken. Von diesem Vorhaben bin ich dann doch recht schnell wieder abgekommen 😅. Ich finde meine Persönlichkeit einfach viel zu interessant und spannend, um sie zu verstecken. Nein, Selbstlob stinkt nicht, es riecht ("schmöckt" auf Schweizerdeutsch) vorzüglich.

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